Kleine Räume ganz groß

Kleine Räume ganz groß

Das LEBENSWELTEN Magazin ist erschienen. Diesmal zum Thema urbanes Wohnen. Der Leitartikel beschäftigt sich mit dem neuen Trend der Mikroapartments:

Mikro Wohnen liegt voll im Trend. Denn kleine Wohnformen entwickeln sich derzeit zu einem Trend für wohnbegeisterte Konzeptkünstler, neuheitenhungrige Projektentwickler und renditeorientierte Investoren. Hier werden aus wenigen Quadratmetern bunte Alleskönner-Wohnwelten entworfen und kreativ umgesetzt.

Eine Reihe von gesellschaftlichen Faktoren forcieren diesen Trend. Da wäre zum einen die anhaltende Urbanisierung, die Menschen auch weiterhin magisch in die Städte ziehen wird. Zum anderen die Transformation der Arbeit, die zur Folge hat, dass Wohnraum genauso flexibel und dynamisch sein muss wie die Arbeitswelt, in der die Menschen 24/7 unterwegs sind. Und die sich überall auf der Welt in „ihren‘“ Hotspots und „Communities“ treffen.

Die Digitalisierung trägt ebenfalls einen Anteil an der reduzierten Wohnfläche, denn für viele Dinge wird gar kein Platz mehr benötigt. „Das Tablet ersetzt den PC und sogar den Fernseher. Darauf installierte Streaming-Dienste machen die DVD- und CD-Sammlung überflüssig. Die Bibliothek wandert in den E-Reader und das Smartphone ist sowieso das Schweizer Taschenmesser des Digitalzeitalters“, fasst Matthias Pink, Chefmarktforscher beim Immobilienberater Savills, das „Downsizing“ beim Wohnraum zusammen.

Hinzu kommt: Wohnen wird in den Städten immer teurer. Auch das hat Folgen für die Wohnungsgrößen und die Verteilung der Funktionen. Der geringere Platz muss also mehr können als früher oder im herkömmlichen Wohnungsbau. So ist eine Zwei-Zimmer-Wohnung mittlerweile nicht mehr 60 m² groß, sondern 45 m². Für drei Zimmer gibt es oftmals nur noch 65 m² statt 80 m² Platz und für vier Zimmer-Wohnungen planen die Architekten Grundrisse mit 85 m².

Eine große Zielgruppe für kleine Wohnformen sind einerseits großstadtverliebte Singles oder Paare. Noch bedeutender dürften aber diejenigen Urbanisten sein, die sich an ihren Wohnort nicht lange binden können oder wollen, Studierende, Young Professionals und Pendler und die an ihr Interimszuhause besondere Ansprüche stellen: Klein und zentral gelegen soll es sein, außerdem komplett eingerichtet, gut an den ÖPNV angebunden und womöglich mit Serviceangeboten wie Reinigungsdienst, Fitnessangeboten und Car-Sharing ausgestattet.

In den Metropolen findet man auch Wohnangebote, die vor allem junge Kosmopoliten und digitale Weltenbummler mit gutem Finanzpolster ansprechen sollen. Studier-, Musik- und Billardzimmer, Fitnessflächen, Dachterrassen und TV-Areas gehören da zum guten Ton. Allerdings sind die High-End-Services nicht immer das, was sich die meisten Interims-Wohnungsnutzer wünschen. Bei den Mietkriterien steht nämlich unverändert die „Lage“ ganz oben auf der Agenda, wie Immobilienberater CBRE in einer Umfrage unter 8.000 Studierenden in Deutschland herausgefunden hat – und nicht etwa das hauseigene Fitnesscenter.

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