28. Januar 2022

Erfolgreiches Quartiersmanagement: Mehr als die Summe seiner Teile

Student, Rentnerin, Familie, Bürogemeinschaft: Moderne Stadtquartiere versammeln unterschiedlichste Lebensmodelle und Nutzungsformen. Ein Miteinander, das es zu steuern gilt. Wie das am besten funktioniert und welche neuen Ansätze es im Quartiersmanagement gibt, erklärt Kai Rambow, Geschäftsführer der 3KOMMA1.

Vom Dienstleister zum strategischen Partner

Wenn es um erfolgreiches Quartiersmanagement geht, dann bewahrheitet sich ein totgehörter Kalenderspruch: Das Quartier ist mehr als die Summe seiner Teile. Gemeint ist die Verzahnung der einzelnen Akteure: „Erst wenn alle Spieler sich gemeinsam als Quartiersmanager verstehen und das Projekt in Summe voranbringen wollen, kann ein Quartier seine Potentiale voll ausschöpfen“, sagt Kai Rambow, Geschäftsführer der 3KOMMA1 Immobilienservices GmbH & Co.KG. „Im Kontext des Quartiersmanagements muss ein Umdenken stattfinden: weg vom reinen Dienstleister, hin zum strategischen Partner.“ Ein Wandel, der auf gut funktionierende, bekannte Strukturen und eine lokale Marktverankerung angewiesen ist. Aber auch auf einen geschärften Blick, für jene, für die das alles überhaupt gemacht wird: die Nutzer selbst.

Das Ziel: Ein Dreigestirn

Das Quartier lebt also von seiner Verzahnung, doch wie sieht diese in der Praxis aus? „Mieter, Objektverwalter, Hausmeister, Handwerker, Quartiersapp, Service-Point. Viele Quartiersprojekte befinden sich momentan auf einer Art Vorstufe zum eigentlichen Quartiersmanager: Die Einzelbausteine sind vorhanden, müssen jedoch logisch verknüpft werden“, so Rambow. Sein Ziel: ein Dreigestirn aus technischer, kaufmännischer und operativer Expertise. Der Quartiersmanager nicht als Einzelperson, sondern als Einheit. Eine rechtliche Herausforderung, vor allem in einem nutzungsgemischten Quartier: „Drei Leute, ein Vertrag. Da prallen Mietrecht, Steuerrecht, Verbraucherschutz und Förderthemen aufeinander.“ Doch gelingt der rechtliche Coup, warten zahlreiche Vorteile: „Durch die antizyklische Zusammenführung von Nutzergruppen entsteht ein Service- und Communitynetz, das wirtschaftlich fair angeboten werden kann, weil alle mitmachen. Quartiersmanagement wird zum Solidaritätsmodell.“

Über das Quartier hinaus

Solidarität, Nachbarschaft, Identifikation: Was im ersten Moment nach Community-Romantisierung klingt, spielt im Quartiersmanagement eine wichtige Rolle: „Die eigentliche Arbeit, der eigentliche Sinn der Immobilie fängt dann an, wenn jemand einzieht“, sagt Rambow. „Die Aufgabe des Quartiersmanagers ist deswegen, zu steuern und zu ermöglichen, zusammen zu bringen und unweigerlich auch Konflikte zu lösen. Die Leute müssen das Gefühl haben, dass sie abgeholt werden, dass sie dazu gehören.“ Das Quartier wird zum Mikrokosmos, der gegenseitig Mehrwert stiftet und Leistungen bietet, die sonst gar nicht zustande gekommen wären: sei es der babysittende Student oder das ausgeliehene Fahrradflickzeug. Es ist ein Mehrwert, der im besten Fall sogar in die Nachbarschaft strahlen kann. „Erfolgreiches Quartiersmanagement überwindet Grenzen, es ist mehr als die reine Substanz Immobilie. Sogar mehr als das Quartier selbst."

Dienstleister und Quartiersmanager, Quartiersmanager und Nutzer, Nutzer und Nachbarschaft: Das erfolgreiche Stadtquartier lebt vom Ineinandergreifen seiner Einzelteile. Funktioniert die rechtliche Verzahnung, ist der Mehrwert allgegenwärtig.