07. Oktober 2021

Von der Nachhaltigkeit zur Kreislaufwirtschaft

Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen wird immer stärker eingefordert – auch in der Immobilienwirtschaft. Bauten müssen über den gesamten Lebenszyklen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Auch mit Altsubstanz müssen wir verantwortungsvoll umgehen. Bedeutet: Statt einfachem Abriss und Entsorgung von Teilen oder ganzen Ensembles müssen wir sie als Ressource verstehen – und deren Wiederverwertbarkeit schon heute bei jeder Neuerrichtung einplanen. Das Prinzip des Cradle to Cradle (C2C) sieht im Produkt kein Endstadium, sondern eine Zwischenstation im endlosen Kreislauf aus Nutzung und Umnutzung. Bei richtigen politischen Rahmenbedingungen kann dies zum unternehmerischen und wettbewerbsabgrenzenden Vorteil werden.

Beim Projekt The Cradle etwa wächst über dem Beton der Untergeschosse ein reiner Holzbau mit wiederverwendbaren Holzdecken. Die textilen Bodenbeläge lassen sich leicht wieder vom Estrich trennen und wiederverwerten. Die Heiz- und Kühldecken sowie die Technik sind sichtbar verlegt und können leicht zurückgebaut werden. In einem 3-D-Gebäudemodell ist nachvollziehbar, welcher Rohstoff von wem wann verbaut oder ausgetauscht wurde. All dies ist mit der digitalen Materialdatenbank von Madaster zu ausgewählten Rohstoffbörsen verbunden. Die Nutzung von Gebäuden endet künftig nicht mehr in einem kostspieligen Abriss. Stattdessen werden die verbauten Rohstoffe, deren Preise künftig signifikant steigen dürften, vom Teppich über Holz und Beton bis hin zu Gipskartonwänden, wieder zu Geld gemacht und systematisch wiederverwendet.

Über die Autoren:

Unter anderem für das Projekt The Cradle waren Carsten Boell als Geschäftsführer und Steffen Hebestreit als technischer Projektleiter für INTERBODEN Innovative Gewerbewelten verantwortlich. Der Name des Projektes entspringt einem radikalen Ansatz: dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. Hier wird nicht mehr bloß nachhaltig, sondern in Kreisläufen gedacht.