20. Januar 2022

Quartiersakquise: Vom Gelände zum Lebensmittelpunkt

Moderne Quartierskonzepte prägen vermehrt das Stadtbild. Doch wann eignet sich ein Grundstück eigentlich als Quartiersstandort? Welche Rolle spielt die Nachbarschaft? Und wie entstehen Quartiere überhaupt? Sebastian Künzl hat die Antworten.

Was zeichnet ein gutes Quartiersgelände aus?

Sebastian Künzl: Die Story: Wenn die Grundidee und das Umfeld die Fantasie der Planer und später der Bewohner weckt, dann ist das die Basis für eine Quartiersentwicklung. Ein gutes Quartiersgrundstück wird bereits vom Umfeld positiv geprägt. Gleichzeitig hat es genügend Raum, um Geschichte und Charakter für einen Ort des Zusammenlebens zu ermöglichen. Die neuen geplanten Nutzungen führen zu Standortverbesserungen und einer nachhaltig höherwertigen Grundstücksentwicklung.
 

Woran entscheidet sich, ob ein Grundstück für die Quartiersentwicklung in Frage kommt?

Sebastian Künzl: Das Grundstück muss ausreichend groß sein, um eine gute Durchmischung von Flächen für Arbeiten, Wohnen, Nahversorgung, Grün- und Freianlagen zu ermöglichen. Zudem sollte es möglichst in ein städtisches Umfeld mit sozialen, kulturellen und sportlichen Freizeit- und Bildungsangeboten eingebunden sein. Auch ein entsprechendes Baurecht und eine Stadtplanung, die auch flexibel auf Veränderungen reagieren kann, ist essenziell. Quartiere auf der grünen Wiese ohne Umfeld zu entwickeln, sind selten erfolgreich und kaum investorenfreundlich.
 

Wie wird Interboden auf geeignete Grundstücke aufmerksam?

Sebastian Künzl: Oft durch Vermittler und leider noch zu wenig durch eigene „Kaltakquise“. Daran arbeiten wir. Dadurch, dass wir erfolgreich Quartiere gebaut haben (le flair), aktuell entwickeln (maxfrei) und Wettbewerbe gewinnen (Moxie in Münster) werden wir vermehrt angesprochen. 
 

Welche Rolle spielen Nachbarschaft und Umfeld?

Sebastian Künzl: Die Attraktivität eines Quartieres hängt erheblich vom Miteinander und von der Mitwirkung der Bewohner ab. Ein gutes Quartier verfügt über kurze Wege innerhalb des Quartieres und auch zum ÖPNV, um andere Orte schnell zu erreichen. Ein erreichbares, großes Angebot an Freizeit- und Naherholungseinrichtungen steigert die Wohn- und Lebensqualität. Der Mix hilft und nicht die Monokultur.

In welchen Schritten entscheidet sich die Quartiersgestaltung?

Sebastian Künzl: Quartiere leben vom Mix aus Nutzungen und Menschen von jung bis alt. Ein Quartier ist nie fertig entwickelt. Die Gestaltung braucht am Anfang gute Ansätze, dann ein Management und anschließend das Mitwirken aller, damit es sich an neue Entwicklungen anpassen kann. Die Finanzierungspartner und das passende Exit-Szenario haben selbstverständlich ebenfalls Einfluss auf das, was entwickelt wird. 
 

Über welchen Zeitraum zieht sich der klassische Akquiseprozess?

Sebastian Künzl: Quartiere brauchen Zeit. Die Baurechtschaffung, die Baugenehmigung, die Fertigstellung und auf einmal sind sieben bis zehn Jahre vergangen. Anders der klassische Akquiseprozess von größeren Quartiersgrundstücken: Dieser wird oft durch Beratungsunternehmen geleitet und hat kurze bis zu zweimonatige Prüfungs- und Angebotsfristen. Wir verfügen über ausreichend Erfahrung und gute Markt- und Standortanalysen sowie Kalkulationsansätzen aus unseren Projekten, so dass wir schnell und gut auf die erste Prüfphase reagieren können. In Phase Zwei finden auf Basis der indikativen Kaufpreisangebote Verhandlungen mit einer kleinen Auswahl an Bietern statt. Abschließende verbindliche Kaufpreisangebote führen oft nach einer weiteren Due Diligence Zeit zum Abschluss und je nach Abstimmungsbedarf zum Grundstückskauf. Um ein optimales Exit-Szenario zu realisieren, ist neben der Projektentwicklung auch die frühzeitige Klärung der Finanzierungsstruktur das A und O eines erfolgreichen Akquiseprozesses. 
 

Welche Vorgaben gibt es?

Sebastian Künzl: Es sollte zu INTERBODEN passen. Ein zukunftsweisendes Projekt benötigt ein innerstädtisches Grundstück mit Potenzial. Zudem fühlen wir uns den Themen Mobilität, nachhaltige Energiekonzepte, ökologisches Bauen sowie bezahlbarer Wohnraum verpflichtet.