29. Januar 2021

Schöne neue Welt

Deutschlands Straßen waren in diesem Frühling so leer wie schon lange nicht mehr. Anstelle von Autokorsos, die im alltäglichen Berufsverkehr die Straßen blockieren, herrschte eine unbekannte Ruhe. Tiere eroberten Europas Städte zurück – Füchse in den Städten und klares Wasser sowie Fische in den Kanälen von Venedig. Anwohner rund um Flughäfen genossen derweil die Ruhe im Garten und den Gesang der Vögel. Die Corona-Pandemie und der damit einhergegangene Lockdown änderte viel diesen Frühling und verlangte allen viel ab.

Gemeinsam einsam

Alte und schwerkranke Menschen allein zu Hause, in Pflegeeinrichtungen oder Hospizen ohne Besuch, überarbeitetes Krankenhauspersonal und Eltern, die zwischen Homeoffice und Homeschooling der Kinder jonglierten. Denn seit diesem Frühling gilt: Wer seine Freunde und Familie liebt, hält sich fern – zum Schutz. Statt einer herzlichen Umarmung, gibt es ein zögerliches Nicken, eine Begrüßung per Ellenbogen oder mit den Füßen. Anfangs noch als vorübergehende Maßnahmen angesehen, gehören die neuen Regeln und Umgangsformen am Ende dieses Sommers bereits zum Alltag. Die Bedeutung von persönlicher Nähe wurde vielen in dieser Zeit der Abstinenz bewusst und so wurden Wohlfühlorte in diesen unsteten Zeiten wichtiger denn je. Das eigene Zuhause als Zufluchtsort.

Eine Branche trotzt der Krise bislang standhaft: Die Immobilienbranche bietet der Krise die Stirn – noch. Das liegt zum einen daran, dass im baubefindliche Projekte trotz aller Auflagen fortgeführt oder beendet werden konnten. Und zum anderen daran, dass die Immobilienbranche, gerade im Wohnimmobilienbereich, seit jeher als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt – und das hat sich wieder einmal bestätigt. Aber auch innerhalb der Branche ist der Wind der Veränderung spürbar. Bereiche müssen sich neu aufstellen, neue Wege gehen. Makler organisieren sich um und nutzen die Chancen der Digitalisierung für ihre Arbeit. Arbeitgeber lernen die Vorteile des Homeoffice kennen, Arbeitnehmer die Bedeutung von Präsenz im Büro – viele Unternehmen stellen sich neu auf, um für beide Seiten die besten Lösungen zu finden.

Gerade Wirtschaftsimmobilien spüren die Folgen der Krise am deutlichsten. Ausbleibende Einnahmen im Hotelsektor durch anhaltende Reisewarnungen und stornierte Geschäftsreisen oder Einnahmeverluste im stationären Einzelhandel durch den Onlinehandel. Mietausfälle und drohende Insolvenzen schweben wie ein Damokles Schwert über Gewerbeimmobilienbesitzer und machen langfristige Planungen unmöglich.

Auf den Winter folgt der Frühling

Der Winter stellt die Menschen und die Wirtschaft vor erneute Herausforderungen. Aber mit jeder Krise gibt es eine Chance auf Veränderung. Neue innovative Geschäftsideen und agile Unternehmen sind die Gewinner der Krise. Flexibilität in allen Bereichen ist der Schlüssel zum Erfolg.

Auf den Winter folgt der Frühling. Mit dem Erblühen der neuen Knospen beginnt das Jahr von vorne. Wir sind gespannt, welche Entwicklungen sich durchsetzen und welche Innovationen unser Leben künftig beeinflussen werden.